Tren Maya: Ein prestige Projekt mit deutscher Beteiligung

Heute reisen wir gemeinsam nach Yucatán. Die Halbinsel gehört zu Mexiko und trennt den Golf von Mexiko vom karibischen Meer. Yucatán wird von tropischen Regenwäldern geprägt. Das Klima ist feucht und warm. Die größten zusammenhängenden Gebiete von tropischen Regenwäldern findet man auf Yucatán an den Grenzen zu Nordguatemala, Mexiko und Westbelize. Die Gebiete gehören zu den größten zusammenhängenden Gebieten von tropischen Regenwäldern in Mittelamerika. Richtung Nordwesten ändert sich die Vegetation und der jährliche Niederschlag. Der Niederschlag nimmt ab und der Bewuchs geht Richtung Trockenwald zurück. Im äußersten Nordwesten geht die Landschaft in eine Savanne über und wird steppenartig. Yucatán liegt im atlantischen Hurrikan-Gürtel, welcher ebenfalls die Karibik umfasst. Aufgrund der Beschaffenheit der Halbinsel ist diese ebenfalls von Hurrikans gefährdet. 

Karte Yucatán: Lebensräume (eigene Zeichnung)

Eine Besonderheit der Halbinsel ist, dass der nördliche Teil keine Flüsse hat. An einigen Stellen gibt es Seen und Sümpfe, hier ist das Wasser jedoch sehr schlammig und nicht genießbar. Yucatán hat eine zusammenhängende, dichte, grundwasserführende Schicht. Diese Eigenheit nennt man Süßwasserlinse. Es ergibt sich daraus, dass Süßwasser leichter als Salzwasser ist. Daher befindet sich die Süßwasserlinse über der salzhaltigen Schicht. Zugang zum Grundwasser bieten die Cenoten, die in der gesamten Region verbreitet sind. Cenoten sind Kalksteinlöcher, die den Zugang zum unterirdischen Grundwasser bieten. Die Maya nutzten während ihrer Hochzeit schon das vorhandene Süßwasser aus den Cenoten. Eine der größten ist die Laguna de Términos. Sie ist rund 2500 qkm groß und hat eine Verbindung zum Golf von Mexiko. 

Das Projekt Tren Maya 

Streckenverlauf Tren Maya (Eigene Darstellung)

Bei dem Projekt Tren Maya (dt.: Maya-Zug) handelt es sich um den Bau zweier Eisenbahnstrecken, die 15 Städte miteinander verbinden soll. Neben dem Güterverkehr soll die zweite Strecke den Ökotourismus fördern. Die mexikanische Regierung möchte ab dem Jahr 2023 rund drei Millionen Tourist:innen zwischen den 15 Städten hin und her transportieren. Der Verlauf der Strecke kann der kleinen Karte entnommen werden. 60 Prozent der Strecke soll durch Reaktivierung von alten Bahnstrecken erfolgen, die restlichen 40 Prozent jedoch durch den Neubau. Doch worin liegt nun der Konflikt und die große Kritik in diesem Projekt? 

Tren Maya verspricht 20.000 Arbeitsplätze für die Region. Dennoch sprachen sich im November 2018 nur rund 1 Prozent der mexikanischen Bevölkerung für das Projekt aus. Das Problem liegt in der Routenführung. Die östliche Route soll durch und an zahlreichen Cenotes vorbeiführen sowie durch das Calakmul-Biosphärenreservat. Daher sollten vor Baubeginn ein Umweltschutzgutachten erstellt und eine Anhörung der indigenen Gemeinschaft (nach den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation und auf der Grundlage des Übereinkommens über eingeborene und in Stämmen lebenden Völkern in unabhängigen Ländern) durchgeführt werden. 

Die Kritik am Projekt Tren Maya 

Die mexikanische Regierung findet immer wieder Wege, Gelder für das Projekt abzuzweigen, auch wenn das Budget für das gesamte Projekt schon lange explodiert sind. Neben den mexikanischen Firmen, die in dem Projekt tätig sind, ist ebenfalls eine Tochterfirma (DB Engineering & Consulting GmbH) der Deutschen Bahn beteiligt. Die Tochterfirma hat im Projekt die beratende Funktion zu den eisenbahnbetrieblichen Entscheidungen übernommen. Diese Beratung beschränkt sich auf die frühe Projektphase und beinhaltet unteranderem die Überarbeitung vorhandener Planungsunterlagen, die Unterstützung bei der Durchführung von Ausschreibungen und der Inbetriebnahme1.

Kritik kommt auch vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Dabei wurde besonders die Abstimmung, die im Jahre 2018 zu dem Projekt durchgeführt wurde, kritisiert. In der Abstimmung wurden laut dem Menschenrechtsrat nur die positiven Auswirkungen vom Projekt aufgezeigt und nicht die negativen. Es fehlten Übersetzungen der Unterlagen, die Abstimmungsphase war zu kurz und die Beteiligung, besonders unter indigenen Frauen, war extrem gering. Bei vielen der Wahlberechtigten fehlten darüber hinaus die finanziellen Mittel, um zu den Wahllokalen zu gelangen. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Mehrheit der Wähler städtische Angestellte gewesen seien.  Neben den Vorwürfen des Menschenrechtsrat schlagen die Umweltschützer vor Ort Alarm. Bei dem Projekt werden tausende Hektar Urwald abgeholzt und die Streckenführung führt über das empfindliche Gelände der Cenotes. Die unterirdischen Seen zusammen mit der gesamten Höhlenlandschaft werden durch den darüberfahrenden Zug gefährdet. Das Höhlensystem und der biologische Korridor sind sehr fragil. Die Schneise, die in den Urwald geschlagen wurde, wirkt sich negativ auf das gesamte Ökosystem aus. Hierbei werden Lebensräume zerschnitten. Durch den Zug ist unteranderem der Jaguar, die Affen und viele weitere Tiere und Pflanzen bedroht, die zu diesem sensiblen Ökosystem gehören. Umweltorganisationen aus den Vereinten Nationen zeigen sich besorgt über die negativen Auswirkungen der Tren Maya. Auch prangern die Umweltorganisationen an, dass die obligatorischen Umweltgutachten nicht rechtzeitig eingeholt worden seien. 

Diverse Male wurde der Streckenverlauf wegen der Proteste angepasst. Die Vereinten Nationen kritisieren die Beteiligung des Militärs bei den Bauarbeiten. Menschenrechtler gehen von einer Militarisierung der Region und der damit eingehenden Spaltung der Gemeinden aus. Außerdem gab es in der Vergangenheit anonyme Drohungen und Angriffe auf Umweltschützer. 

Trotz der Kritik wurde im Dezember 2023 ein Teilstück der Tren Maya in Betrieb genommen. Im Februar 2024 soll dann die gesamte Strecke eröffnet werden.

1 https://dip.bundestag.de/vorgang/beteiligung-der-deutschen-bahn-am-projekt-tren-maya-in-mexiko/277401

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