Heute melde ich mich mit einer besonderen Serie zurück. Es geht um Vögel. Es gibt ja viele Menschen, die sich für Vögel interessieren. Ich meine, wer saß nicht schon mal in einem Café in der Stadt und hat die Stadttauben beobachtet?! Ich denke, das hat jeder irgendwann schon mal gemacht. Doch was macht Vögel so interessant für uns Menschen? Ich möchte dich heute für eine Welt sensibilisieren, die wir als durchaus selbstverständlich hinnehmen. Also, was fasziniert uns an der Vogelwelt? Das Offensichtliche werde ich denke ich mal zuerst nennen: das schillernde Federkleid. Zum Beispiel wenn man aus der Hecke das Orange des Rotkehlchens blitzen sieht oder wenn ein Grünspecht mit seiner roten Kappe über den Rasen hüpft. Natürlich gibt es durchaus auffälligere Vögel wie den Eisvogel oder die farbenfrohen Papageien und Kolibris in anderen Ländern. Neben dem auffälligen Federkleid machen sich Vögel besonders im Frühling durch ihre zahlreichen Stimmen bemerkbar. Kein Vogel klingt gleich und man kann es wohl mit Menschen und ihren unterschiedlichen Sprachen vergleichen. So kann man Vögel nicht nur mit den Augen, sondern auch durch das Gehör beobachten. Wenn man Vögel beobachtet, wird man durch ihren Flug in den Bann gezogen. Bspw. wenn Möwen ohne große Anstrengung im Sturm Schiffen folgen können oder Greifvögel sich durch den Aufwind höherschrauben. Das größte Rätsel bleibt jedoch der Vogelzug. Ob die Vögel nun große Strecken zurücklegen oder im kleineren Rahmen ziehen, bleibt es für den Menschen nahezu unvorstellbar, wie die Tiere diese Strecken zurücklegen können. Worüber kaum einer nachdenkt, ist, die Allgegenwärtigkeit von Vögeln. Sie sind kleine Kumpel, die sich mit uns einen gemeinsamen Lebensraum teilen. Über die Tropen und Halbwüsten sowie Wüsten findet man Vögel, aber man findet sie ebenso in polaren Eisfeldern, höchsten Bergregionen und in unseren gebauten Betonwüsten, den Großstädten. Wenn du dich jetzt fragst, wo es die meisten Vogelarten in einer Großstadt geben soll, dann wird Berlin die Antwort sein. Hier kann man bis zu 300 unterschiedliche Arten beobachten – und das tagsüber. Du merkst also, die Faszination des Menschen gegenüber unseren gefiederten Freunden ist groß.

Vögel im Wald
Kommen wir zuerst zu den Vögeln, die im Wald leben. Man kann viele unterschiedliche Arten im Wald entdecken. In Deutschland leben ca. 70 unterschiedliche Arten in den Wäldern. Bevor wir uns die unterschiedlichen Familien einmal genauer anschauen, möchte ich dir noch ein paar Vorzüge des Waldes für die Vögel aufzeigen.
Ein Wald ist stufig aufgebaut. Er bietet damit zahlreiche ökologische Nischen für viele Vogelarten. In jeder Schicht findest du spezialisierte Bewohner. Das „Dach“ des Waldes, die Kronenschicht, besteht aus Baumkronen. Hier können viele insektenfressende Vogelarten Nahrung finden. Aber auch Arten, mit gemischter oder eher pflanzlicher Nahrung kann man in den Baumkronen entdecken. Nach der Kronenschicht folgt die Strauchschicht. Die Strauchschicht wird durch die Ausbildung der Kronenschicht geprägt. Ist die Kronenschicht geschlossen, so ist die Strauchschicht kaum vorhanden. Durch die Kronenschicht wird im Wald der Lichteinfall reguliert. In den Lücken beim Lichteinfall kann sich eine Strauchschicht entwickeln. In dunkleren Bereichen liegt der Stammraum offen. So entsteht ein abwechslungsreicher Lebensraum, mit vielen kleineren Pflanzenstrukturen. Die letzte Schicht ist die Kraut- und Moosschicht. Sie entwickelt sich über den Boden und wie bei der Strauchschicht spielt der Lichteinfall eine große Rolle. In geschlossenen Wäldern kann man oftmals ausschließlich frühblühende Arten betrachten. Dies wird durch den hohen Lichteinfall im Frühjahr bedingt. Dazu gehören auch die Buschwindröschen (Anemone nemorosa), die sich vor dem Austreiben des Laubes entwickeln. Nun zeige ich dir einen Teil der 70 unterschiedlichen Vogelarten, die es im Wald gibt. Ich denke jeder kennt ihn, jeder liebt ihn und jeder kann ihn im Wald hören. Es geht als erstes um die Spechte. Der bekannteste von den Spechten ist der Buntspecht. Mit seinem schwarzweißen Federkleid ist er eher auffällig. Besonders seine tiefrote Unterschwanzdecke fällt auf. Er ist ganzjährig zu beobachten, der häufigste Trommler und größer als der Klein- oder Mittelspecht. Etwas kleiner und ebenfalls im Wald anzutreffen sind der Mittel- und Kleinspecht sowie der Weißrückenspecht. Sie sehen dem Buntspecht sehr ähnlich. Dennoch ist das Muster des Federkleids anders. Besonders fällt bei beiden Arten die rote Kappe auf. Neben den bunten Spechten findest du im Wald auch die eher unauffälligen Grau-, Grün-, Schwarz- und Dreizehenspecht. Die Spechte haben ihren Namen durch die Farbe ihres Federkleides oder so wie der Dreizehenspecht durch die Anzahl ihrer Zehen. Normalerweise besitzen Spechte vier Zehen, der Dreizehenspecht aber wieder Name schon sagt drei. Der Grauspecht ist vor langer Zeit aus Asien eingewandert. Der Grünspecht ist ein waschechter Europäer. Der Schwarzspecht ist der größte Specht in Europa und bewohnt nur große zusammenhängende Buchenwälder. Einen Waldbewohner, den man ebenfalls durch das ganze Stimmengewirr hören kann, ist der Kuckuck. Du kennst ihn aus Kinderliedern und wahrscheinlich vom Ausdruck des Kuckuckskindes. Die Kuckuck-Eltern suchen sich Wirtseltern, die ihren Nachwuchs aufziehen. Daher rührt der Ausdruck „Kuckuckskind“. Der Kuckuck ist ein Zugvogel und kann bei uns von April bis September beobachtet werden. Kommen wir nun zu den mystischen Bewohnern des Waldes – den Eulen. In deutschen Wäldern findet man den Raufuß-, Wald- und Sperlingskauz, aber auch die Waldohreule. Die Waldohreule und der Waldkauz sind die häufigsten vertretenen Eulen im Wald. Sie bewohnen gerne Wälder, welche in der Nähe von offenen Flächen liegen. So können sie geschützt brüten und in der offenen Fläche jagen. Sie sind streng nachtaktiv und leben daher eher heimlich im Wald. Am besten kann man sie im Winter auf den Bäumen beobachten. Weitere Räuber im Wald sind Habichte, Schreiadler, Sperber und Wespenbussarde. Sie gelten als geschickte Jäger. Der Habicht jagt Kleinsäuger und Vögel, manchmal erbeutet er aber auch Fasane. Der Wespenbussard hingegen ernährt sich ausschließlich von Wespen und Larven.

Bei 70 unterschiedlichen Arten von Vögeln werde ich nicht alle beschreiben können. Besonders bei den kleineren Vögeln können wir auf einige Arten einfach nicht verzichten. In den Baumkronen leben z.B. die Kernbeißer und der Pirol. Der Pirol ist ein farbenprächtiger Vogel, welcher in Deutschland mittlerweile auf der roten Liste steht, also stark bedroht ist. Der Kernbeißer kann mit seinem Schnabel auch Kirschkerne knacken. In der Strauchschicht findet man neben dem Rotkehlchen und dem Zaunkönig auch diverse Meisenarten. Die größte Meisenart in Europa ist die Kohlmeise. Die kennst du bestimmt aus deinem Garten. Das Rotkehlchen ist ein sehr zutraulicher Vogel und der diesjährige Vogel des Jahres. An den Stämmen findet man außerdem den Baumläufer. Dieser klettert spiralförmig die Bäume hoch und sucht nach Nahrung. Neben dem Baumläufer findet man auch noch den blau-orangen Kleiber, welcher ebenfalls den Baum hoch und runter klettert. Sein Spitzname ist Spechtmeise. Abwärts schafft es der Kleiber auch kopfüber den Baum herunter. Man kann ihn überall dort entdecken, wo einige ältere Laubbäume stehen.
In der untersten Schicht, der Krautschicht, findet man oft Drossel. Dazu gehört zum Beispiel auch die Amsel. Die Amseln kennen wir auch aus dem Garten. Das typische Konzert gehört zu jedem Sommerabend dazu. Amseln und andere Drosselarten hüpfen über den Boden auf der Suche nach Würmern. Für mich ist der Zilpzalp ebenfalls ein typischer Waldvogel. Man kann seinen typischen Ruf überall hören. Er ist eher unscheinbar und dennoch kann man ihn kaum überhören. Mittlerweile lebt er auch in naturnahen Gärten oder Parks. Ein farbenfroher Vertreter der Familie der Rabenvögel ist der Eichelhäher. Er ist groß und auffällig, auch da er gerne in lockeren kleinen Grüppchen unterwegs ist. Er ernährt sich von Eicheln, Bucheckern und anderen Sämereien sowie Beeren, Obst und Nüssen. In seltenen Fällen greift er auf tierische Nahrung in Form von Insekten, Raupen, Kleintieren und noch seltener in Form von Eiern oder Jungvögeln zurück. Wenn du einen Vogel siehst, der sich zwischen Baumkronen und den Gebüschen rastlos und lebendig bewegt, wirst du einen Fitis gesehen haben. Der Fitis gehört zu den Langstreckenziehern. Man kann sie von Ende März bis Oktober beobachten. Er ist ein Verlierer der Forstwirtschaft. Wie die Forstwirtschaft Einfluss auf den Wald hat und damit auch Einfluss auf die Vogelwelt hat, erkläre ich dir weiter unten kurz. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du später in einem weiteren Beitrag nachlesen. Ein Vertreter der Finken ist der Gimpel oder Dompfaff. Mit seinem rosaroten Gefieder ist er ein echter Hingucker an jeder Futterstelle. Jedoch ist er außerhalb der Futterstellen gar nicht so leicht zu entdecken. Der Gimpel bewohnt überwiegend junge Misch- und Nadelwälder, Parks, Friedhöfe, Gärten oder Feldränder. Für ihn zählt nur eines: viele Sträucher. Perfekt getarnt am Waldboden findet man ab und zu ein kleines Haselhuhn. Die Struktur des Gefieders ist perfekt an die Struktur einer Baumrinde angepasst. Schnell und heimlich bewegt sich das Huhn leise über den Boden und sucht nach Nahrung. Das Haselhuhn ist in Deutschland ebenfalls durch die intensive Forstwirtschaft aber auch durch die Jagd stark gefährdet. Was die Vögel für Probleme mit der Forstwirtschaft haben und wie ihr Lebensraum durch den Menschen überprägt wird, erzähle ich dir jetzt.

Ein deutscher Wald wird immer von der Forstwirtschaft bewirtschaftet. Das bedeutet, im Wald ist keiner mehr ungestört. Große Maschinen, die große alte Bäume fällen und damit vielen Vögeln die Lebensgrundlage rauben, ist Alltag im Wald. Besonders während der Brutzeit benötigen Vögel Ruhe. Unnötiger Stress beim Brüten sollte vermieden werden. Aber nicht nur die Forstwirtschaft ist ein Risikofaktor, auch Spaziergänger können im Wald einiges verkehrt machen und damit Vögel besonders beim Brüten unnötig stressen. Wälder sind für alle frei begehbar. Daher finden wir im Wald immer viele gut ausgebaute Wege. Dies vereinfacht uns das Begehen der Wälder. Durch die ständigen Spaziergänger werden die Vögel regelmäßig aufgescheucht. Einige Arten haben sich an uns, als Besucher, gewöhnt, doch nicht alle. Wie die Forstwirtschaft uns die Lebensgrundlage klaut, kannst du in einem späteren Beitrag lesen.